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Fallbeispiele

Beispiele für Burnout Hintergrund

Fallgeschichten aus der Praxis

Die folgenden Fallbeispiele zeigen, wie individuell Burnout entstehen kann. Jede Geschichte ist unterschiedlich – genau wie die Menschen, die betroffen sind. Klicken Sie auf eine Geschichte, um sie vollständig zu lesen.

Burnout entsteht immer individuell

Bild: Oma erzählt zwei Kindern aus dem Märchenbuch

Entstehungsgeschichten

Ihr Aussehen, Ihre körperliche Verfassung, wie auch Ihre seelischen Kräfte haben sich individuell entwickelt. Ein Mensch hat starke Beine, der andere kräftige Hände. Bei der einen ist die Resilienz – die Widerstandskraft – mehr ausgeprägt, bei dem anderen weniger.

Den einen trifft Burnout, den anderen nicht. Was habe ich “falsch” gemacht, dass ich betroffen bin? Dazu finden Sie nachfolgend vier Beispiele und gleich vorweg gesagt: Sie haben nichts falsch gemacht sondern nur unter ungünstigen Bedingungen versucht, das Beste aus sich herauszuholen. Und vielleicht sind sie dabei noch in alte Geschichten verstrickt.

Die Beziehung zwischen den Partnern ist von Anfang an angespannt. Möglicherweise sind sie beide zu jung, eventuell spielt auch Gewalt infolge fehlender Regulation/Unterstützung eine Rolle. Später kann dieses Kind nicht mit vollem Vertrauen in die Welt hinausgehen, sondern wird eher vorsichtiger im Kontakt mit seiner Umwelt sein. Um nicht zu sagen misstrauisch.

Es wird deshalb mehr auf sich selbst vertrauen und sich im Zweifel in sich zurückziehen.

Vielleicht kommt es auch auf die Idee, seine innere Sicherheit auf andere Weise spüren zu wollen: Zum Beispiel durch Leistung und Zuverlässigkeit. Als Erwachsene setzt sich dieses Muster fort und im Arbeitsleben wird vielleicht genau das geschätzt. Für (unbegrenzte) Leistungsbereitschaft wird die Person immer wieder bestätigt oder belohnt. Dies ist ein fiktive Beispiel, zeigt jedoch ein häufig beobachtetes Muster.

Zeitsprung in der Geschichte

Wenn der zweite Teil dieser Geschichte in einer Erschöpfung endet, wäre das keine Überraschung. Als spätere Störungsmuster vermute ich Angst-Panik-Zustände, wenn es einmal zu viel wird. Warum? weil das Nervensystem des Kindes früh alarmiert wurde und sich auf Bedrohung eingestellt hat.

Die Lösung besteht nun sicher nicht darin, der Betroffenen all das zu verbieten, was ihr bisher Sicherheit, Stärke und Wertigkeit gegeben hat. Das Fleißig-Sein und die Perfektionismus müssen nicht “abgewöhnt” werden, aber gut begrenzt.

Die Frage ist nicht: Wie kann ich endlich weniger perfekt sein und auf Arbeit verzichten – sondern: Was liegt darunter, was treibt mich an? Mit etwas Glück, Zeit und Begleitung finden Sie bei sich heraus, was die Antreiber so treiben. Und welche anderen Anteile Sie entwickeln können, damit ein inneres Gleichgewicht entstehen kann. Voraussetzung für das Gelingen dieser Veränderung ist die Aufarbeitung des kindlichen Dramas.

Positive Wirkfaktoren für Resilienz

  • Sicheres Aufwachsen mit konstanten Bezugspersonen, Vorbilder.
  • Viele und unterschiedliche, “gute” Beziehungserfahrungen (Respekt, Wertschätzung, Grenzen, Einfühlung)
  • Materielle Sicherheit erlebt haben – was die eigene Sicherheit fördert
  • Bildungsgrad der Eltern und ein Erleben von guter Förderung, Ausbildung, Chancen
  • Den eigenen Körper gut spüren können (Grenzen, respektvoller Umgang), Sport
  • Maß halten, Selbstfürsorge, gute Ablösung von Zuhause
  • Entwicklung eigener Ressourcen (Freizeitverhalten, Genussvielfalt)
  • Hobbys, Eigenleben, künstlerische Tätigkeit als Ausgleich
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In der neuen Familie gibt es leider einen schwierigen Vater, jedoch auch eine liebevolle Pflegemutter, die zunächst unauffällig ist. Nachdem die Pflegemutter durch ihren Partner wenig Ansprache hat, wendet diese sich vermehrt dem Pflegekind zu.

Sie beginnt, das Kind für sich zu vereinnahmen. Zum Beispiel, indem sie ihre Verzweiflung mit dem Kind zu teilen versucht. Das Kind wird dadurch parentifiziert*. Früh lernt es, sich wie eine erwachsene Ansprechperson zu benehmen. Sie wird fortwährend überfordert und verliert den Bezug zu sich.

Wie alle Kinder passt sie sich an diese Situation an. Aushalten, still und unauffällig sein. Die Mutter nicht verstören, denn die hat es eh schon nicht leicht im Leben.

Früh wird das Kind darauf geprägt, mit sehr großen (für Kinder eindeutig zu großen) Belastungen klar zu kommen. Selbstverzicht zu üben. Als Adoptivkind hat es bereits im frühesten Alter einen ersten Beziehungsabbruch von den leiblichen Eltern erlitten. Diese Erfahrung erschwert ihr die Entwicklung von Grundvertrauen. Obwohl sie äußerlich “in Sicherheit” ist, fühlt sie sich innerlich nicht immer sicher.

In der Pubertät wird die Beziehung zur Pflegemutter einer Prüfung unterzogen. Die Pflegemutter hält dies kaum aus und droht mit Suizid. Doch zum Glück gelingt der jungen Frau danach eine gesunde Distanzierung. (Hier entsteht vermutlich das “schlechte Gewissen” wenn die junge Frau etwas für sich tun will – das fällt ihr im Erwachsenenalter sichtlich schwer.)

Zeitsprung in der Geschichte

Sie ahnen es vielleicht – ein paar wichtige Erfahrungen von früher beginnen, sich im Erwachsenenalter bemerkbar zu machen. Die Saat geht auf.

Als junge Frau ist sie nun selbst sehr tüchtig, sie wird auch Mutter und legt besonderen Wert darauf, alles wiederum für ihre Tochter richtig zu machen. Selbst eine gute Familie gründen ist nun das Ziel, was im zweiten Anlauf gelingt.

In der Arbeit findet die Frau durch Fleiß und Zuverlässigkeit endlich einen eigenen “sicheren Platz”. Sie ist freundlich, sie toleriert vieles, sie spürt manche Grenzen nicht. Das Unternehmen in dem sie beschäftigt ist nutzt diese Eigenheiten für ihre Zwecke. Chaos und unwillige Mitarbeiter gibt es genug – da ist man froh um eine wie sie. Sie trägt vieles, auch Unerträgliches. Im Inneren wirkt immer noch das “Programm” aus der Kindheit: “Pass auf, fordere nichts für dich, sonst droht Gefahr, Verlust und Trennung.”

Nach 30 Jahren ständig steigender beruflicher Belastung folgt der Zusammenbruch. Die Erschöpfung führt zur Arbeitsunfähigkeit. Jahrelang wurde der Körper mit Stressbotenstoffen überflutet und fand kaum Ruhe. Die innere Stimme fand kein Gehör. Für alle anderen war gesorgt – doch wer hat auf das (innere) kleine Mädchen aufgepasst? Angstzustände wechselten mit tiefer Traurigkeit, plötzlich waren auch Erinnerungen aus der Kindheit wieder an der Oberfläche. Kein angenehmes Wiedersehen.

Wie hat sie es für sich lösen können?

Sie beginnt mit einer Psychotherapie. Themen: Back to the roots, Aufarbeiten der Situation als Kind. Wiederentdecken der Verletzungen. Dann sich mehr spüren lernen, eigene Bedürfnisse wahrnehmen, vorsichtige eigene Gehversuche – im Wechsel mit heftigen unerklärlichen Rückfällen. Aber kontinuierlich ging es wieder aufwärts. Eine Gruppentherapie erweist sich als besonders hilfreich. Hier erhält sie den Rückhalt, der ihr immer wieder zeigt, wie wertvoll sie ist und ihr Weg sogar bewundert wird.

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Alle müssen früh bereits mitheöfen oder sind sich selbst überlassen. Die Kinder sind sehr früh in diese Realität eingebunden. Spielen mit den Eltern, Zeit für Familienleben oder Urlaube, das alles ist einfach nicht möglich. Die Arbeit ist das Leben, so lautet die frühe Prägung.

Der Mann macht eine Lehre und findet in seinem Lehrherrn eine weitere ähnliche Situation vor, in der harte Arbeit über alles geht. Schwere körperliche Arbeit, aber immerhin weg vom Bauernhof. Danach findet er einen Job bei einer staatlichen Institution und hat zunächst eine gute Zeit. Er gründet eine junge Familie und es scheint alles überwunden zu sein.

Zeitsprung in der Geschichte

Nun wird diese Firma teilprivatisiert und die Angst vor Jobverlust geht um. Bewährte Strukturen wie Teams, die bisher die Arbeit gut bewältigt haben, werden zerschlagen. Der Plan lautet, die langjährigen Arbeitskräfte aus Kostengründen “abzuservieren”. Nun bestehen die bisherigen Arbeitsgruppen aus “Altgedienten”, leider auch aus “Resignativen” und aus Leiharbeitskräften. Die Arbeit geht jetzt nicht mehr schön von der Hand und das kostet viel mehr Kraft als bisher. Die Altgedienten, zu denen er zählt, arbeiten noch im Geist das alten Miteinander, was Teil ihrer inneren Werte ist. Die anderen leider nicht.

Schließlich erfolgt der Zusammenbruch und der Fall in eine Monate dauernde Depression. Hier beginnt er zum Glück seine erste Psychotherapie.

Arbeitsunfähig geworden und weg von einem guten Miteinander mit Kollegen. Sich wertlos fühlend, ohne Sinn. Traurig bis in die innerste Seele.

In der Psychotherapie lernt er, dass es neben der Arbeit noch andere wichtige Säulen der Identität gibt. Und das Leben meint es gut, es kommt ein Enkelkind auf die Welt. Langsam mehren sich nach dem langen depressiven Rückzug die Spaziergänge, die Partnerschaft wird wieder zur wichtigen Ressource und sogar Bewegung beim Seniorenfußball beginnt er. Der Weg aus der Erschöpfung heraus ist eingeschlagen.

Wie hat er es für sich lösen können?

  • andere Anteile als die Arbeitsrolle in sich erkennen und aktivieren
  • Sich zeigen und sprechen lernen – mit Therapeut - mit Partnerin
  • Das Eigenleben wieder aktivieren
  • Sport beginnen und für den Körper besser sorgen
  • Eine sinnvolle Aufgabe für sich finden (Großvaterrolle)
  • auch medikamentöse Unterstützung nutzen
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Stellen wir uns eine junge Familie vor, die schon vor Geburt ihres ersten Kindes den Traum eines Eigenheimes erfüllen möchte. Als noch beide Geld verdienen scheint das gut zu laufen.

Die junge Frau hat sich dann die Schwangerschaft ganz anders vorgestellt, als es kam. Auch um eine gelingende Geburt unter idealen Verhältnissen kann man extrem bemüht sein. Sie wollten es für ihr Kind besser machen als die eigenen Eltern seinerzeit. Über die eigenen Grenzen hinweg und mit wenig Bodenhaftung.

Der junge Vater steh auch unter Vollstress, will er es doch anders machen als sein Vater. Arbeit, Vaterrolle, Hausbau mit viel Eigenleistung, Durchhalten lautet das Motto. Hilfe von außen wäre Einmischung und Schwäche zu zeigen.

Zeitsprung in der Geschichte

Das Paar nähert sich der Erschöpfung. Beide verlieren den Bezug zu einander, weil jeder um die Umsetzung der jeweiligen idealen Vorstellungen ringt. Zu allen Belastungen kommt noch die Entfremdung. Um über die Zeit rundum die Geburt des Kindes oder die ersten Schwierigkeiten miteinander zu reden ist wenig Raum. Enttäuschungen sammeln sich an, lieber durchbeißen und weiterkämpfen. Letztlich fühlen sich beide mit dem Pensum alleine - besser gesagt alleine gelassen weil nicht wahrgenommen.

Facit

Die partnerschaftliche Krise rückt näher. Und Krise bedeutet immer, dass eine Kursänderung NOT-wenig wird. Die Gespräche dazu finden dann in der Paartherapie statt. Endlich wird der ermüdende Prozess gestoppt und alle bekommen Gehör für ihre Not. Jetzt kann ein neues Kapitel beginnen.

Was hat den beiden geholfen?

  • Atem holen und Unterstützung von außen annehmen
  • Über die Einsamkeiten zu reden, geschluckte Gefühle wieder zu zeigen
  • Alte Geschichten “aufräumen”, meist Kränkungen rund um die erste Zeit der Familiengründung
  • Maßvoller werden mit den eigenen Zielsetzungen - zugunsten von gemeinsamem Geniessen des Erreichten
  • Sich Erholung erlauben - das ist ein kleines Kunststück, weil Zeit Mangelware ist.
  • Wieder mehr Eigenleben pflegen abseits von Kinderhüten/Hausbau
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Erklärungen

Frühe verunsichernde Beziehungserfahrungen haben Folgen. Traumata können später in der Überlastungssituation an die Oberfläche drängen

Besonderes Bemühen, die Selbstfürsorge vernachlässigend, Grenzüberschreitungen über lange Zeiträume zulassend, Kräfte für andere ausgebend, alles gleich (und selbst) erledigen – damit nichts offen bleibt, dass niemand im Umfeld unversorgt bleibt. Arbeitsaufträge werden innerlich mit zu versorgenden Kindern gleichgesetzt.

Perfektes Ziel: Für meine Sicherheit tue ich alles – ich opfere mich selbst dabei auf, wenn es sein muss

Einem Menschen mit diesen frühen kindlichen Erfahrungen hilft es nicht zu sagen, “Na du brauchst ja nicht so fleißig sein…” oder “Lass doch einfach locker!”. Die treibende Kraft sitzt in einer tief verwurzelten Angst vor weiteren Beziehungsabbrüchen, vor dem Verstoßenwerden und Unversorgtsein als Kind. Wenn dieser Knoten erkannt ist, beginnt die eigentliche Veränderungsarbeit in der Therapie und die Umsetzung im Leben.

In der Aufarbeitung eines Erschöpfungszustands geht die Zeitreise manchmal sehr weit zurück. Vorbei am Schmerz von alten Verletzungen und hin zur ursprünglich treibenden Kraft (Antreiber) in der “Urszene”. Damit ist gemeint: eine alte Verhaltensweise, die einmal Sinn gemacht hat und die das Kind gebraucht hatte.