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Burnout Fallen

Persönliche Antreiber und Glaubenssätze

Burnout-Fallen – Persönliche Antreiber

Nicht jede Person, die unter hohem Druck steht, entwickelt ein Burnout. Was macht bestimmte Menschen anfälliger? Ein wesentlicher Faktor sind innere Überzeugungen und Haltungen – sogenannte “Antreiber” oder “Glaubenssätze” –, die Menschen dazu bringen, immer mehr zu geben, immer perfekter zu sein, immer für andere da zu sein.

Die häufigsten Glaubenssätze (Fallen)

“Sei perfekt!”

Alles muss fehlerfrei sein. Fehler sind eine Katastrophe. Wer so denkt, arbeitet bis zur Erschöpfung nach – weil das Ergebnis nie gut genug ist.

“Sei stark!”

Schwäche zeigen darf ich nicht. Hilfe annehmen ist eine Niederlage. Wer so denkt, trägt Lasten allein – bis er zusammenbricht.

“Beeil dich!”

Zeit ist immer knapp. Langsam sein ist Versagen. Wer so denkt, hetzt durch den Tag – und findet keine echte Erholung.

“Mach’ immer anderen zuerst eine Freude!”

Die Bedürfnisse anderer kommen immer zuerst. Eigene Bedürfnisse sind egoistisch. Wer so denkt, lebt für andere – und verliert sich selbst.

“Streng dich an!”

Nur wer sich wirklich anstrengt, hat Erfolg. Leichtigkeit ist verdächtig. Wer so denkt, macht immer mehr – auch wenn es nichts mehr bringt.

Gleiches Recht auf gleich gute Behandlung, für Körper wie auch für die Psyche

Eine schwere Infektion im Körper, eine wichtige Zahnbehandlung, ein Knochenbruch, Diabetes, Bluthochdruck, Bandscheibenvorfall … oder andere körperliche Erkrankungen bekommen zumeist die passende medizinische somatische Behandlung. Einverstanden? Die genannten Krankheiten können sicherlich nicht mit “mehr Bewegung”, Massagen oder “länger Ausschlafen”, mit Duftessenzen, Heilsteinen oder ähnlichem ausreichend behandelt sein. (Wenngleich dies alles sicher auch einen positiven Effekt haben kann.) Denn es braucht mehr dazu. Einverstanden? Und so sehe ich es mit dem Erschöpfungszustand auch.

Auch körperliche Krankheiten zeigen mitunter eine Symptomenvielfalt und “Individualität”, so dass sie nie alle eindeutig klassifiziert werden können - dennoch wird ihre Existenz nicht bezweifelt. Eine ursächliche Behandlung ist häufig nicht möglich.

Karikatur vom Lehrer Lämpel aus Max und Moritz

Aufgemerkt!

Die folgenden 15+ Sätze sind als Anstoß gemeint, im seelischen Bereich die erforderliche Hilfe gleich wie bei körperlichen Krankheiten anzunehmen/ zu Verfügung zu stellen.

Die 15+ statements

  • Nr.01: Es vergeht sicher wieder von alleine.
  • Nr.02: Ich muß(!) es alleine schaffen - so viel Kraft bringe ich noch allemal auf.
  • Nr.03: Mit zwei Wochen ausspannen wird es wieder vorbei sein.
  • Nr.04: Mehr Selbstdisziplin und mehr Bemühungen, dann läuft es wieder. Zähne zusammenbeißen!
  • Nr.05: Wenn ich nicht mehr so nervös wäre, ginge es leichter - ich brauche ein Medikament und dann mache ich weiter.
  • Nr.06: Wenn nur endlich der/die Vorgesetzte, … die schwierige Kollegin, … die langen Fahrzeiten, das Management …alles zusammen aufhören würde, eigentlich ist “das” mein größter Störfaktor, nur deswegen bin ich so belastet.
  • Nr.07: Ich muß da durch und darf jetzt nicht versagen, was denken sonst die anderen von mir?
  • Nr.08: Mit positiv Denken werde ich das alles überwinden können - oder auch: Glaube versetzt Berge(?)
  • Nr.09: Hoffentlich merkt es keine/r, besser nicht darüber reden und im Hintergrund bleiben.
  • Nr.10: Burnout gibt es gar nicht, es ist eine Phantasie- und Modediagnose von Menschen, die sich nur einfach nicht genug bemühen.
  • Nr.11: Burnout verdeckt als eine “Verlegenheitsdiagnose” die Depression von Männern, die sich darüber (noch) nicht reden trauen - trotzdem gibt’s das einfach nicht.
  • Nr.12: Burnout ist nur von “raffinierten” Menschen erfunden worden, um leichter in Frühpension gehen zu können und um die Gesellschaft für sich auszunutzen.
  • Nr.13: Burnout ist neuerdings schuld daran, dass wir eine Finanzkrise haben. So viele “faule FrühpensionistInnen” hätten das Gesundheitssystem in die Knie gezwungen. (Bitte nicht ernst nehmen) Wir reissen uns jetzt einfach ‘mal zusammen und der Staat ist saniert.
  • Nr. 14: Kennen Sie den Spruch: “Geht nicht, gibt’s nicht!” Hat er zu Ihrer Lebenseinstellung gepaßt? Zu welchem Preis?
  • Nr. 15: Kennen Sie diesen: “Arbeit ist Gottesdienst!” Wer sehr fleißig ist, wer nicht auf sich und seine Grenzen achtet, dient angeblich einem höheren Ideal? Glaubenssätze steuern unsere Gedanken und die lenken unser Handeln.

Diese Aufzählung wächst jedes Jahr um einen Punkt.

Glaubenssätze

Woher kommen diese Antreiber?

Diese Überzeugungen entstehen meist in der Kindheit – als Anpassungsleistungen an die Umgebung, die damals sinnvoll und notwendig waren. Das Kind, das lernt: “Wenn ich perfekt bin, bekomme ich Zuwendung”, übernimmt dieses Muster. Im Erwachsenenalter läuft es automatisch weiter – auch wenn die ursprüngliche Situation längst vergangen ist.

Verbieten oder Verzichten ist nicht die Lösung

Fleiß oder Perfektionismus haben ihre Stärken und einen Nutzen im Leben. Die Frage ist: Treibe ich diese Qualitäten, oder treiben sie mich? Psychotherapeutische Arbeit hilft dabei, die Antreiber zu verstehen und bewusst mit ihnen umzugehen – statt von ihnen gesteuert zu werden.

Mehr zur individuellen Entstehungsgeschichte finden Sie im Fallbeispiel.