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Stationäre Behandlung und Rehabilitation

Stationäre psychische Reha

Ein psychischer Rehaaufenthalt ist eine stationäre Behandlungsform mit intensiver Therapieerfahrung. Idealerweise mit 6–8 Wochen Dauer. Während dieses Zeitraums werden als Schwerpunkt regelmäßige Psychotherapie, medizinische Unterstützung, Gruppengespräche, begleitende gesundheitsfördernde Maßnahmen und vor allem Ruhe angeboten.

Eine nachhaltige Lösung braucht Zeit, denn ein diagnostizierter Erschöpfungszustand aus meiner Erfahrung nach nicht mit Wellness-Maßnahmen zu behandeln. Kurze Erholungsphasen sind allerdings wertvoll in der Prävention von Burnout.

Erschöpfung gehört im fortgeschrittenen Stadium in die Hände von Arzt/Ärztin, Facharzt/-ärztin (PsychiaterIn) und PsychotherapeutIn. Je nach Schweregrad und nach Ihren Möglichkeiten können Sie ambulant oder stationär behandelt werden.

Schema für Burnout stationär behandeln, © M. Geiger 2016

Behandlungsschema, © M. Geiger 2016

Die nebenstehende Grafik soll verdeutlichen, dass der Heilungsvorgang bei Erschöpfung auf mehreren Säulen steht. Immer sind alle existenziellen Ebenen angesprochen: Körper, Psyche, soziale Dimension, Sinn und Wertebereich – aber auch der Verstand bekommt Arbeit und Anstöße durch Psychoedukation.

Erwartungen an eine Reha-Behandlung

Eine Reha ist kein Zauberwerkzeug. Wenn Sie die Wartezeit optimal nutzen wollen, beginnen Sie vor der Reha mit einer Psychotherapie, in der Sie die Themen sortieren und aufbereiten. Die Reha ermöglicht einen vertieften Zugang durch verschiedene Ansätze und Methoden und ist eine Zeit der intensiven Beschäftigung mit sich. Nach der Reha wird es weiterhin Themen geben, die in der Kürze der Zeit nur angerissen wurden und weiter begleitet werden sollen.

Tipp für Eltern

Die Arbeit geht eigentlich erst nach der Reha so richtig los.

Entscheidungshilfe

Einfach mehr relaxen oder zur Reha anmelden? Planen Sie die Wartezeiten vor Reha-Antritt mit ein – in Österreich kann das ein halbes Jahr sein.

Entscheidungshilfe: Erschöpfungszustand

Einfach mehr relaxen oder zur Reha anmelden? Planen Sie die Wartezeiten vor Reha-Antritt mit ein – in Österreich kann das ein halbes Jahr sein.

Ich befürchte bei mir einen Erschöpfungszustand – was kann ich tun?
1
Zuerst zum Arzt / zur Ärztin: er/sie diagnostiziert & unterstützt ggf. das Kuransuchen.
2
Wenn nötig: zur Sicherheit zum Facharzt / zur Fachärztin für Psychiatrie.
3
Wird die klinische Diagnose bestätigt, sollte eine/ein Psychotherapeut:in aufgesucht werden.
Es gibt Mischformen. Erschöpfung ist kein definierter Zustand, sondern ein Weg hinein/heraus.
↙ Vorläufige Entwarnung
Tempo drosseln, Entlastung, Auszeit, Erholungsphasen, kleine Urlaube, Gutstunden abbauen
Psychotherapie zur Ursachenforschung, Beratung, Stress-Vermeidung, Work-Life-Balance
Verhaltensänderung beginnen, Coaching zur Unterstützung
Essen, Bewegung, Entspannung & neue Ressourcen aufbauen
Überwiegend arbeitsfähig – in 6–8 Wochen wieder aufrichten und neuen Weg finden
zwei
Wege
↘ Diagnose bestätigt
Starke Symptome, eindeutige Lage: Krankenstand, sofortige Entlastung, Verfassung deklarieren
Wartezeit bis zu stationärer Aufnahme einplanen, Psychotherapie sofort starten
Medikation bringt Erleichterung (Schlaf, Antidepressiva) – nimmt die Arbeit nicht ab
Absoluter Arbeitsstopp verbunden mit Milieuwechsel, Psychotherapie zur Stabilisierung
Genesung braucht Zeit – rechnen Sie je nach Schweregrad mit 6–18 Monaten
Ziele der Begleitung
Sich wieder wohlfühlen – bei sich selbst zu Hause fühlen
Nicht durch Angst oder negative Gefühle beeinträchtigt sein
Mehr Freude verspüren und mit Kraft ans Werk gehen können
Eine Lebensführung wiederfinden, die für Sie Sinn macht

Kureinrichtung auswählen

Österreichischer Rehabilitationskompass

Österr. Rehabilitationskompass

In Österreich hilft Ihnen der Österreichische Rehabilitationskompass weiter. Hier können Sie Bundesland, Versicherungsanstalt sowie die Art des Leidens eingeben und entsprechende Angebote filtern.

Tipp: Besser vorher fragen, was Ihnen geboten wird.

Fragen an die Einrichtung

  • Gibt es regelmäßige Psychotherapie – Einzel- und Gruppentherapie? Wie viele PsychotherapeutInnen im Haus stehen zur Verfügung?
  • Bleibt die/der PsychotherapeutIn über den gesamten Aufenthalt die gleiche Person?
  • Welche Methoden sind vertreten – in Österreich anerkannte Psychotherapieverfahren?
  • Gibt es weitere anerkannte non-verbale therapeutische Angebote: Musiktherapie, Ergotherapie, konzentrative Bewegungstherapie, Tanztherapie, Kunsttherapie?
  • Wie sieht der Tagesplan in der Einrichtung aus, und worin liegt der Schwerpunkt der Klinik?
  • Finden Sie dabei auch Zeit zur Ruhe – wie?
  • Gibt es Entspannungstrainings – ist dies das hauptsächliche Psycho-Angebot?

Psychotherapie → Kur → Fortsetzung Psychotherapie → Genesung

Therapieprozess als Baum – Verwurzelung

Verwurzelung im Therapieprozess

Bis zur Genehmigung der Kur haben Sie meist eine Wartezeit zu überbrücken. Lassen Sie die Zeit nicht ungenutzt vergehen – beginnen Sie ohne Verzögerung mit einer systematischen Behandlung bei Arzt/Ärztin und in einer Psychotherapie.

Nach der Rückkehr von der Kur nutzen Sie Ihre bereits geschaffene therapeutische Beziehung und setzen Ihre Arbeit fort. Eine gut laufende Psychotherapie ist wie ein gepflanzter kleiner Baum – Sie werden sich vermutlich über die begonnene Verwurzelung freuen.

Bei schweren Verlaufsformen der Erschöpfung gehen Sie von einem Zeitbedarf von 6 Monaten bis 1,5 Jahren aus. Reservieren Sie sich die erforderliche Zeit dafür.

Tipp für Eltern

Es gibt bereits Einrichtungen, in denen Ihr Kind mitbetreut werden kann – damit viele Eltern überhaupt in Behandlung kommen können. Als einzige stationäre Empfehlung sei hier psychreha-wildbad.at genannt. Die Einrichtung liegt in der Steiermark an der Grenze zu Kärnten.

Option ambulante Reha

Bei einer ambulanten Reha sind Sie tagsüber in einen Therapieplan eingebunden, fahren über Nacht und am Wochenende nach Hause. Folgender Link führt zu ambulanten Reha-Einrichtungen in Niederösterreich: gesund.co.at – Rehab-Zentren NÖ.

Rechtliche Situation in Österreich

  • Krankenstand: Ein stationärer Reha-Aufenthalt gilt gesetzlich als Krankenstand. Ihr Arbeitgeber muss den Aufenthalt genehmigen, darf Sie in dieser Zeit nicht kündigen und ist zur Entgeltfortzahlung gemäß den gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet. Quelle dieser Auskunft
  • Freibetrag: Für die Dauer der Reha ruht das Krankengeld, stattdessen wird ein Rehabilitationsgeld oder Kranken- bzw. Übergangsgeld ausgezahlt.
  • Antrag: Der Antrag muss von einem Arzt (Hausarzt oder Psychiater) gestellt werden, der die Dringlichkeit und die Diagnose ausführlich begründet. Nutzen Sie das offizielle Formular der Sozialversicherungsträger. Nach Einreichung prüft der Pensionsversicherungsträger den Antrag und teilt Ihnen die Bewilligung und die zugewiesene Einrichtung mit.