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Entspannung

Techniken zur Beruhigung des Nervensystems

Entspannung und Burnout

Entspannung ist für Burnout-Betroffene oft schwieriger als für gesunde Menschen. Das liegt daran, dass das Stresssystem chronisch aktiviert ist und sich nicht mehr einfach “abschalten” lässt. Viele Betroffene berichten, dass sie in der Freizeit gar nicht richtig entspannen können – sie liegen physisch auf der Couch, aber innerlich rasen die Gedanken weiter.

Warum Entspannung schwer fällt

Das vegetative Nervensystem ist in zwei Modi organisiert: Sympathikus (Aktivierung, Stressreaktion), Parasympathikus (Ruhe, Erholung) und polyvagales System (Bindung/Beruhigung und auch Notsystem = Erstarrung). Bei chronischem Stress bleibt der Sympathikus dauerhaft aktiv – der Körper verlernt gewissermaßen, in den Erholungsmodus zu wechseln. (kritischer Kommentar siehe Seitenende)

Wasserfall eines Gebirgsfluss

Natur als Entspannungsmittel

Entspannungstechniken helfen dabei, diesen Wechsel wieder zu erlernen. Dies braucht regelmäßiges Üben – genauso wie ein Muskel, der trainiert werden will.

Bewährte Entspannungsmethoden

  • Progressive Muskelentspannung (PMR) nach Jacobson: Systematisches An- und Entspannen verschiedener Muskelgruppen. Gut erlernbar, wissenschaftlich gut belegt.
  • Autogenes Training: Selbsthypnotische Methode, die auf Autosuggestion basiert. Besonders hilfreich bei Schlafstörungen.
  • Atemübungen: Die bewusste Verlängerung der Ausatmung aktiviert den Parasympathikus. Einfach, überall anwendbar.
  • Achtsamkeitsmeditation (MBSR): Mindfulness Based Stress Reduction – ein gut erforschtes Programm, das Stressreaktionen nachweislich reduziert.
  • Biofeedback: Technisch unterstützte Entspannung, bei der man lernt, Körperfunktionen bewusst zu regulieren.
  • Bodyscan: Eine sehr einfache Technik, bei der zunächst unter Anleitung dann alleine innerlich aufmerksam von Kopf bis Fuß durch den Körper “gewandert” wird. Wo Spannung wahrzunehmen ist wird versucht, nachzugeben, loszulassen.

Entspannung ist keine Faulheit

Viele Burnout-Betroffene haben innerlich das Gefühl, sie “dürfen” nicht entspannen – es gibt immer noch etwas zu tun. Diese Überzeugung ist ein Teil des Problems. Echte Erholung ist keine verlorene Zeit, sondern eine Investition in Ihre Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

Entspannung im Alltag integriert

Effektive Entspannung braucht keine Stunden. Bereits 10–15 Minuten täglich regelmäßige Entspannungspraxis können messbare Wirkung haben. Der Schlüssel ist die Regelmäßigkeit – nicht die Dauer.

Kleine Pausen über den Tag verteilt sind oft wirksamer als eine einzige lange Entspannungsphase am Abend. Lernen Sie, auf die Signale Ihres Körpers zu hören – und rechtzeitig eine Pause einzulegen.

Kleiner Exkurs in die Problematik der Entspannung

Viele Menschen haben die Bedeutung von Entspannung erkannt, schaffen es jedoch nicht. Machen sie etwas “falsch” dabei? Bemühen sie sich nur zu wenig? Nein, das denke ich nicht.

Das Nervensystem ist nicht umsonst aktiviert, es will sich mit den Herausforderungen auseinandersetzen solange diese Stressoren bestehen. Wenn der "Säbelzahntiger" neben Ihnen steht, ist schwer an Entspanntheit zu denken.

Ihre Lebensumstände sind vermutlich nicht so, dass Entspannung überhaupt passt. Gut tun würde sie schon. Aber: Mit Sorgen um ein wirtschaftlichen Auskommen, mit einer frisch diagnostizierten Erkrankung in der Familie oder anderer Not lässt es sich nicht so einfach entspannen. Auch wenn Menschen keine Unterstützung mit ihren Kindern oder zusätzlich einer Pflege von Angehörigen belastet sind. All das sind sehr gute Gründe, sich anzuspannen - weil die Lasten nur mit einer Spannung (er)tragbar sind.

Buchcover K.Fischer

Buchtipp: K.Fischer: Achtsam geht die Welt…

Ähnlich verhält es sich mit der Achtsamkeit die ebenfalls in Übungen und Seminarform verpackt den Ausgleich schaffen soll. Ohne Zweifel alles gute Ansätze! Jedoch sollte zu aller erst an den belastenden Lebensumständen “gedreht” werden. Sonst gelingt keine Ent-Spannung. Die Dosis der Entspannung und des Ausgleiches “hinaufzuschrauben”, damit unverändert bestehende Lasten ertragen werden können - das macht auf Dauer keinen Sinn.