← Zurück zur Startseite

Artikel

ME/CFS ist keine seltene Erkrankung

ME/CFS

ME/CFS zählt zu den postakuten Infektionssyndromen (PAIS): Rund 80% der Fälle entstehen nach einer Infektion. Häufige Auslöser sind virale Erkrankungen wie Epstein-Barr-Virus (EBV – Pfeiffersches Drüsenfieber), HHV-6, Influenza oder SARS-CoV-2 (COVID-19). Nach Expertenschätzungen dürfte sich die Zahl der Betroffenen durch die Pandemie mindestens verdoppeln haben. 4

Auch bakterielle Infektionen, Operationen, Schädel- und Halswirbelsäulentraumata (z. B. kraniocervikale Instabilität, CCI) 4 , bestimmte Medikamente (etwa Fluorchinolone) oder in seltenen Fällen Impfstoffe können einen Krankheitsbeginn auslösen. Bei einem Teil der Betroffenen lässt sich kein klarer Auslöser identifizieren; bei vielen entwickelt sich die Erkrankung schleichend.

[!IMPORTANT]

Wer müde und erschöpft ist hat nicht „automatisch“ ME/CSF. Und wer an ME/CSF leidet hat nicht „automatisch“ eine Depression im Hintergrund laufen. Alles will genau untersucht und geprüft sein. Daher zur Erklärung die nächsten Zeilen.

Burnout wird mit Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom häufig verwechselt, da beide mit starker Erschöpfung verbunden sind. Medizinisch handelt es sich jedoch um ganz unterschiedliche Krankheitsbilder.

Burnout entsteht meist durch langanhaltenden Stress, Überlastung oder emotionale Überforderung, häufig im beruflichen oder sozialen Umfeld. Typische Symptome sind emotionale Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und das Gefühl, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Die Beschwerden stehen meist in engem Zusammenhang mit Belastungssituationen und können sich durch Erholung, psychotherapeutische Unterstützung oder Veränderungen der Lebensumstände bessern. Burnout wird daher dem Bereich psychischer beziehungsweise stressbedingter Erkrankungen zugeordnet.

Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom dagegen ist eine neuroimmunologische Multisystemerkrankung. Betroffen sind unter anderem das Immun-, Nerven- und Energiestoffwechselsystem. Das wichtigste Merkmal ist die sogenannte „Post-Exertional Malaise“ (PEM): Bereits geringe körperliche oder geistige Belastung kann zu einer deutlichen Verschlechterung aller Symptome führen, oft erst Stunden später und über Tage anhaltend. Anders als bei Burnout verbessert Aktivierung oder Training den Zustand meist nicht, sondern kann ihn verschlechtern.

Zusätzlich treten bei ME/CFS häufig Muskelschmerzen, Kreislaufprobleme, Reizempfindlichkeit, nicht erholsamer Schlaf und starke Konzentrations- beziehungsweise Gedächtnisstörungen („Brain Fog“) auf. Viele Betroffene sind in ihrer Belastbarkeit massiv eingeschränkt.

Zusammenfassend ist Burnout eine psychische Erschöpfungsreaktion infolge chronischer Überlastung, während ME/CFS eine körperliche Multisystemerkrankung mit charakteristischer Belastungsintoleranz darstellt. Trotz ähnlicher Symptome unterscheiden sich beide Erkrankungen deutlich in Ursache, Verlauf und Behandlung.

Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom gilt heute wissenschaftlich überwiegend als komplexe körperliche Multisystemerkrankung. In den letzten Jahren hat die Forschung deutliche Hinweise gefunden, dass bei Betroffenen Veränderungen im Immunsystem, Nervensystem, Energiestoffwechsel sowie in der Durchblutung und Reizverarbeitung vorliegen. Besonders auffällig ist, dass viele Erkrankungen nach Virusinfektionen beginnen, beispielsweise nach Epstein-Barr-Virus, Influenza oder COVID-19. Dadurch hat auch die Forschung zu Long COVID das Interesse an ME/CFS stark erhöht.

Ein zentrales wissenschaftliches Merkmal ist die sogenannte „Post-Exertional Malaise“ (PEM): Schon geringe körperliche oder geistige Belastung kann zu einer massiven Verschlechterung führen. Dieses Symptom unterscheidet ME/CFS deutlich von Depressionen, Burnout oder gewöhnlicher Erschöpfung. Internationale Fachgesellschaften und viele Gesundheitseinrichtungen erkennen ME/CFS inzwischen als schwere körperliche Erkrankung an, auch wenn die genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt ist.

Warum der Name so lang ist, hat historische Gründe. Der Begriff „Chronic Fatigue Syndrome“ (CFS) entstand vor allem im englischsprachigen Raum in den 1980er-Jahren. Viele Betroffene und Fachleute kritisieren jedoch den Begriff, weil „Fatigue“ lediglich Müdigkeit oder Erschöpfung beschreibt und die Schwere der Erkrankung verharmlosen kann. Der ältere Begriff „Myalgische Enzephalomyelitis“ (ME) wurde bereits früher verwendet und sollte die neurologischen und körperlichen Aspekte stärker betonen. Allerdings ist auch dieser Name wissenschaftlich nicht ganz eindeutig, weil er wörtlich eine Entzündung von Gehirn und Rückenmark beschreibt, die nicht bei allen Betroffenen eindeutig nachweisbar ist.

Deshalb wird heute häufig die kombinierte Bezeichnung Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom verwendet. Sie verbindet den historischen medizinischen Begriff „ME“ mit dem international verbreiteten Begriff „CFS“. Damit soll deutlich gemacht werden, dass es sich nicht einfach um Müdigkeit oder psychische Erschöpfung handelt, sondern um eine ernsthafte körperliche Erkrankung mit komplexen biologischen Ursachen.

Kontaktadressen und Hilfe

https://www.cs.at/angebote/nordlicht#slice_id_21750

https://mecfs.at/ueber-me-cfs/

Banner der Beratungsstelle Nordlicht für me-cfs in Wien

Beratung für Me-Cfs Erkrankte

Artikel dazu

https://www.derstandard.at/story/3000000317845/mecfs-schwerstbetroffene-neues-versorgungsangebot-und-leitfaden

Aus der Forschung über me/cfs

Die meiste Forschung zu Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom findet derzeit in den USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Schweden und Australien statt. Besonders seit Long COVID hat die Forschung stark zugenommen, weil viele Long-COVID-Betroffene ME/CFS-ähnliche Symptome entwickeln.

Zu den wichtigsten Zentren und Vorreitern zählen:

· National Institutes of Health (NIH, USA): Die US-Gesundheitsbehörde finanziert große Forschungsnetzwerke und klinische Studien zu Immunologie, Stoffwechsel und neurologischen Veränderungen bei ME/CFS. (National Institutes of Health (NIH))

· Stanford University: Eines der international bekanntesten Zentren. Besonders prägend ist die Arbeit von Ronald W. Davis, der moderne Genetik-, Immun- und Stoffwechselmethoden einsetzt. Stanford gilt als wichtiger Innovationstreiber der biologischen ME/CFS-Forschung. (Open Medicine Foundation)

· Open Medicine Foundation (OMF): Diese Stiftung vernetzt weltweit führende Forschungsgruppen und finanziert internationale Zentren in Stanford, Harvard, Uppsala, Montreal und Melbourne. (Open Medicine Foundation)

· Charité – Universitätsmedizin Berlin: Deutschland gehört inzwischen zu den sichtbarsten Standorten der ME/CFS-Forschung. Besonders bekannt ist das Charité Fatigue Centrum unter Leitung von Carmen Scheibenbogen. Dort wird vor allem zu Autoimmunität, Durchblutungsstörungen, Long COVID und möglichen Medikamenten geforscht. (cfc.charite.de)

· Harvard University und angeschlossene Kliniken: Forschung zu Kreislaufstörungen, Belastungsintoleranz und Energiestoffwechsel, unter anderem durch David Systrom. (Open Medicine Foundation)

· Großbritannien: Dort läuft mit „DecodeME“ eine der größten genetischen Studien zu ME/CFS weltweit. Ziel ist es, genetische Risikofaktoren besser zu verstehen. (Reddit)

Im Fokus der Forschung

· Fehlsteuerungen des Immunsystems

· Autoantikörper

· Mitochondrien- und Energiestoffwechsel

· Durchblutungs- und Gefäßprobleme

· Neuroinflammation

· Zusammenhänge mit Long COVID

Einen einzelnen „Durchbruch“ gibt es bisher noch nicht. Die meisten Forscher gehen heute aber davon aus, dass ME/CFS eine reale biologische Multisystemerkrankung ist und nicht primär psychisch verursacht wird. Genau darin liegt der große Wandel der letzten Jahre.