Medizinische Grundlagen intensiv
Neurotransmitter bei Burnout, © M. Geiger
Nachdem sich diese Website vor allem an medizinische Laien wendet, werden für eine leichtere Verständlichkeit die Neurotransmitter und Hormone in zwei Klassen eingeteilt: die Gasgeber und die Bremser.
Neurotransmitter – Übersicht
| Gasgeber | Bremser |
|---|---|
| Adrenalin | Melatonin |
| Cortisol | Serotonin |
| Dopamin | GABA* |
| Noradrenalin | DHEA** |
| Tryptophan |
*gamma-Aminobuttersäure, **Dehydroepiandrosteron
Neurotransmitter sind körpereigene Botenstoffe, die an den Verbindungsstellen der Nervenzellen an den Schaltfunktionen beteiligt sind. Das spielt sich nicht nur im Gehirn ab, sondern in allen Nervenzellen des Körpers.
Interessant zum Thema Serotonin: Es werden fast 75 % des Botenstoffes Serotonin im Darm gebildet – kein Wunder also, dass auch die Ernährung bei Burnout eine große Rolle spielt.
Regelrecht “geplündert” oder bessewr verfeuert werden in der Erschöpfung folgende Hormone: DHEA, das Serotonin, Noradrenalin, Cortisol und Dopamin.
Zu den einzelnen Botenstoffen
Melatonin
Melatonin ist ein Hormon, das den Schlaf reguliert. Es gibt den Takt für unsere Hormonzyklen an. Mangel an Melatonin bedeutet Mattigkeit und Antriebslosigkeit sowie die bei Burnout auftretenden Schlafstörungen.
Der Melatoninmangel ist Folge des Serotoninmangels, der durch Blockade der Serotoninsynthese – u.a. durch Entzündungsmediatoren und oxidativen Stress – entsteht. Melatonin wird in der Zirbeldrüse aus der Aminosäure Tryptophan über Serotonin gebildet.
Adrenalin
Adrenalin, ein Stresshormon, wird in der Nebenniere gebildet und bei physischen/psychischen Belastungen ausgeschüttet. Seine Hauptfunktion ist die Anpassung des Herzkreislaufsystems und des Stoffwechsels an stressbedingte Belastungen. Mit Adrenalin wird unser System hochgefahren. Fett und Zucker werden bereitgestellt, der Blutdruck erhöht.
Bei andauerndem Stress wird durch die dauernd erhöhten Adrenalin- und Noradrenalinausschüttungen der Blutdruck erhöht und der Blutzuckerspiegel steigt an. Sport baut das Adrenalin schneller ab.
Cortisol
Cortisol ist eines der wichtigsten stresssteuernden Hormone. Cortisol fördert Motivation und Antrieb, es hemmt Entzündungen und blockiert Immunreaktionen.
Cortisol hat eine ausgeprägte Tagesrhythmik und wird in der zweiten Nachthälfte produziert, sodass es für die Tagesaktivität und die Belastungen voll verfügbar ist. Cortisolmangel ist eindeutig eine Folge zu langer Stressbelastung wie sie beim Burnout-Syndrom auftritt.
Dopamin
Dopamin, ein Neurotransmitter, wirkt ebenfalls gegen Erschöpfung und Müdigkeit. Es ist die Vorstufe von Noradrenalin und Adrenalin und damit einer der wichtigsten Neurotransmitter im Zentralnervensystem.
Ein ständiger Überschuss oder Mangel an Dopamin bringen Erschöpfungszustände, schwere chronische Müdigkeit, Antriebsstörungen, Motivationsverlust und kognitive Einbußen. Dopamin ist bekannt als DER Botenstoff, wenn es um Belohnung und die Bildung von Suchtverhalten geht.
Noradrenalin
Noradrenalin ist ein wichtiger aktivierender Botenstoff des zentralen vegetativen Nervensystems (Sympathikus). Es steigert die Motivation, die Aufmerksamkeit und die geistige Leistungsbereitschaft.
Herzkreislauf, Atmung, Stoffwechsel und die Magen-Darmfunktionen werden durch das vegetative Nervensystem gesteuert, was erklärt, warum manche Menschen mit Magen und Darm auf Stressbelastung reagieren (Reizmagen, Reizdarm).
Serotonin
Serotonin ist als das körpereigene Antidepressivum (Glückshormon) bekannt. Es ist ein dämpfend-entspannend und stark stimmungsaufhellend wirkender Neurotransmitter – schlaffördernd, antidepressiv, schmerzhemmend und motivationsfördernd. Zudem beeinflusst Serotonin positiv das Sättigungsempfinden.
Der Serotoninmangel führt zu Depressionen, Angstzuständen, Konzentrationsmangel, Schlaflosigkeit und schwerer Abgeschlagenheit. Serotonin wird nicht nur im Nervensystem gebildet – die größten Konzentrationen finden sich im Magen-Darm-Trakt.
Tryptophan
Tryptophan ist ein Aufbaustoff, der teils zu Serotonin umgebaut werden kann und der mit der Abwehrlage zusammenhängt. Wird unsere Abwehr gereizt, verbrauchen wir mehr Tryptophan – haben dafür aber weniger Serotonin zur Verfügung.
Tryptophan ist in folgenden Lebensmitteln besonders enthalten: Nüsse, Bohnen (Soja), Sonnenblumenkerne, Sesam, Amaranth, Quinoa, Hafer, Hirse, Weizenkeimen. Koffein bremst die Umwandlung in Serotonin.
GABA (gamma-Aminobuttersäure)
GABA gehört bei den Neurotransmittern zum Bremssystem. Wir brauchen GABA, um uns wieder abzuregen. Die gamma-Aminobuttersäure ist der wichtigste hemmende (inhibitorische) Neurotransmitter in unserem Nervensystem.
DHEA (Dehydroepiandrosteron)
DHEA wird als Jungbrunnen-Hormon gesehen – der junge Organismus produziert es in viel höherem Ausmaß. Es ist die Vorstufe von vielen Hormonen im Körper. Für Burnout von Relevanz ist, dass DHEA ein Gegenspieler von Cortisol ist. Es schaltet den Körper wieder auf Sparkurs. Weitere Wirkungen: anti-oxidativ, entzündungshemmend, wichtig in der Immunabwehr.
Tipp
Wer häufig mit Vollgas durchs Leben fährt, braucht mehr Treibstoff. Die Folge? Z.B. häufige Infekte – eine mögliche Folge von Cortisol-Mangel.