/*website gegruendet im Dezember 2009*/

Burnout-Entstehung-Fallbeispiel 2

Ein Mädchen kommt im Alter von 3-4 Jahren in eine Pflegefamilie. Dort gibt es leider auch einen schwierigen Vater, jedoch eine liebevolle Pflegemutter, die zunächst unauffällig ist. Nachdem die Pf.mutter durch ihren Partner wenig Ansprache hat, wendet diese sich vermehrt dem Pflegekind zu.

Sie beginnt, das Kind für sich zu vereinnamen. Zum Beispiel, indem sie ihre Verzweiflung mit dem Kind zu teilen versucht. Das Kind wird dadurch parentifiziert. Es lernt früh, sich erwachsen zu benehmen und kann dabei schwer Kind bleiben. Es wird fortwährend überfordert.

Das kleine Mädchen kann sich dagegen nicht wehren und passt sich wie alle Kinder an diese Situation an. Aushalten, still sein, unauffällig sein. Die Mutter nicht verstören, denn die hat es eh schon nicht leicht im Leben.

Früh wird das Kind darauf geprägt, mit sehr großen (für Kinder eindeutig zu großen) Belastungen klar zu kommen. Selbstverzicht zu üben. Als Adoptivkind hat es bereits im frühesten Alter einen Beziehungsabbruch erlitten. Solch eine Erfahrung erschwert ihr die Entwicklung von Grundvertrauen. Obwohl sie äußerlich "in Sicherheit" ist, fühlt sie sich nicht immer sicher.

In der Pubertät wird die Beziehung zur Pflegemutter einer Prüfung unterzogen. Die Pf.mutter hält dies schwer aus und droht mit Suicid. Doch zum Glück gelingt der jungen Frau danach eine gesunde Distanzierung. (hier entsteht vermutlich das "schlechte Gewissen" wenn die junge Frau etwas für sich tun will, das fällt ihr im Erwachsenenalter sichtlich schwer.)

Zeitsprung

Sie ahnen es vielleicht - ein paar wichtige Erfahrungen von früher machen sich im Erwachsenalten bemerkbar.

Als junge Frau ist sie nun selbst sehr tüchtig, sie wird auch Mutter und legt besonderen Wert darauf, alles wiederum für ihre Tochter richtig zu machen. Selbst eine gute Familie gründen ist nun das Ziel, was im zweiten Anlauf gelingt.

In der Arbeit findet die Frau durch Fleiss und Verläßlichkeit endlich einen eigenen "sicheren Platz". Sie ist freundlich, sie toleriert vieles, sie spürt manche Grenzen nicht. Das Unternehmen nutzt diese Eigenheiten für ihre Zwecke. Chaos und unwillige MitarbeiterInnen gibt es genug, da ist man froh um eine wie sie.

Nach 30 Jahren ständig steigender beruflicher Belastung folgte der Zusammenbruch, die Erschöpfung führte zur Arbeitsunfähigkeit. Jahrelange wurde der Körper mit Stressbotenstoffen überflutet und fand kaum Ruhe. Die innere Stimme fand kein Gehör. Für alle anderen war gesorgt, doch wer hat auf das (innere) kleine Mädchen aufgepasst? Angstzustände wechselten mit tiefer Traurigkeit, plötzlich waren auch Erinnerungen aus der Kindheit wieder an der Oberfläche. Kein angenehmes Wiedersehen.

In dieser Phase begann die Therapie. Sich wieder spüren lernen, eigene Bedürfnisse wahrnehmen, vorsichtige eigene Gehversuche - im Wechsel mit heftigen unerklärlichen Rückfällen. Aber langsam aufwärts kommend.

 

Kurzfassung

 

Frühe verunsichernde Beziehungserfahrungen haben Folgen. Traumata drängen später in der Überlastungssituation an die Oberfläche.

Besonderes Bemühen, dabei Selbstfürsorge vernachlässigen, Grenzüberschreitungen über lange Zeiträume zulassen, Kräfte für andere ausgeben, alles gleich (und selbst) erledigen, damit nichts offen bleibt, dass niemand im Umfeld unversorgt bleibt. Arbeitsaufträge werden innerlich mit zu versorgenden Kindern gleichgesetzt.

Perfektes Ziel: für Sicherheit tue ich alles - ich opfere mich selbst dabei auf, wenn es sein muß.

Einem Menschen mit diesen frühen kindlichen Erfahrungen hilft es nicht zu sagen, "Na du brauchst ja nicht so fleissig sein..." oder "Lass doch einfach locker!" . Die treibende Kraft sitzt in einer tief verwurzelten Angst vor weiteren Beziehungsabbrüchen, vor dem Verstoßenwerden und Unversorgtsein als Kind. Wenn dieser Knoten erkannt ist, beginnt die eigentliche Veränderungsarbeit in der Therapie.

 

 

 

 

 

Nähere Info