Diagnose Burnout

Falls Sie sich wegen eines Erschöpfungszustandes in Behandlung begeben, ist das Thema Diagnose (Klassifizierung) wegen der Anerkennung und Verrechnung Ihrer Behandlung wichtig. Da hier auch viele BesucherInnen aus Deutschland nachschlagen sei darauf hingewiesen, dass ich hier nur auf die österreichischen Bedingungen eingehe.

In Österreich diagnostizieren ÄrztInnen bereits "Burnout" bei ihren PatientInnen, was ein wichtiger und richtiger Schritt ist, damit die Erkrankung auch von Krankenkassen anerkannt wird. In der Praxis kann es aber vorkommen, dass PatientInnen zu Gutachtern geschickt werden, um eine Diagnose bestätigen zu lassen - etwa im Falle einer nötigen Frühpensionierung, bei Sozialplänen aber auch vor Kurgenehmigungen.

Als eigenständige Krankheit ist Burnout im ICD-10 (dem aktuell gültigen "Katalog" von medizinisch anerkannten Diagnosen derzeit noch nicht erfasst - deshalb gilt Burnout derzeit nur als Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflußt - siehe weiter unten.

"Die meisten Diagnosen stimmen mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit." - Gerhard Kocher

F32.1(1) - Die depressive Episode mit | ohne somatischem Syndrom

Oft sieht Burnout wie eine Depression aus, sie wird auch fallweise als Erschöpfungsdepression oder Serotoninmangelsyndrom bezeichnet bzw. medikamentös behandelt. (z.B. mit Serotonin Wiederaufnahmehemmern) Jedenfalls passen zahlreiche Symptome gut zusammen. Schlafstörungen, Agitiertheit oder Hemmung, Morgentief, Interessensverlust, körperliche Symptome. Nicht selten kommen bei Burnouterkrankten aber auch Angst- Panikzustände vor, welche wieder nicht ins Bild der Depression passt.

Z73.0 - Die Z-Faktoren

Während Burnout im DSM-IV überhaupt nicht vorkommt, findet man im ICD-10, Kapitel 21 unter der Überschrift Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesen führen die Kategorie: Z 73.xx = Ausgebranntsein, Burnout, Zustand der totalen Erschöpfung. "...für Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung." Die Z-Faktoren stehen nicht alleine als Diagnoseschlüssel sondern ergänzen eine Diagnose.

F 48.0 - Neurasthenie

ICD-10 Diagnose-Kriterien für F48.0 Neurasthenie

  1. Anhaltende und Besorgnis erregende Symptome der Erschöpfung nach geringer psychischer oder physischer Anstrengung mit einem allgemeinen Gefühl des Unwohlseins, kombiniert mit einem Zustand von sowohl Aufgeregtheit als auch Depression.
  2. Begleitet von zwei oder mehr der folgenden Symptome: Muskelbeschwerden und schmerzen, Schwindel, Spannungskopfschmerz, Schlafstörungen, Unfähigkeit sich zu entspannen und Reizbarkeit.
  3. Begleitet von zwei oder mehr dieser Symptome: gesteigerter Zynismus oder Depersonalisierung, Gefühl verminderter Leistungsfähigkeit sowie emotionale Erschöpfung.
  4. Unfähigkeit sich während der Ruhe-, Entspannungs- oder Vergnügensphasen zu erholen.
  5. Unruhig und ruhelos, unerfrischender Schlaf, oft von Träumen geplagt.
  6. Dauer von über einem Jahr.
  7. Beschwerden sind berufsbezogen.

Tritt nicht beim Vorhandensein organischer psychischer Störungen, affektiver Störungen, Panik oder verallgemeinerten Angststörungen auf. Wie wir an diesen Diagnosekriterien sehen, kann das Burnout-Syndrom am besten als ein Erschöpfungs-Syndrom beschrieben werden, das von affektiven Symptomen begleitet wird (allgemeines Gefühl des Unwohlseins, Reizbarkeit, Zynismus und Depersonalisierung). Es gibt jedoch psychiatrische Störungen, die nicht adäquat von dem Burnout-Syndrom unterschieden werden können. Diese Störungen sind (atypische) Depressionen und das Chronische Müdigkeitssyndrom (CFS) (Hoogduin et al., 2001).

F43.00 - Reaktionen auf schwere Belastungen

ICD-10 Diagnose-Kriterien für F43.xx

Je nach Ausprägungsgrad des Burnout könnten zum Beispiel die unter F43. .. erwähnten Nummern des ICD zur Anwendung kommen. Hier sind Reaktionen auf schwere Belastungen sowie Anpassungsstörungen zusammengefasst. Dagegen spricht, dass F43 nur als kurz andauernd klassifiziert sind, eine "ausgewachsene" Erschöpfung jedoch längere Zeit zur Heilung bedarf.

Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)

Im ICD-10 mit dem Schlüssel G93.3 bezeichnet, hat körperliche Ursachen (viraler Infekt bzw. andere noch nicht vollständig untersuchte Ursachen) und kann bei ausschließlicher Betrachtung der psychischen Symtome leicht mit Erscheinungsformen der Erschöpfungsdepression verwechselt werden. Eine Überprüfung des Immunstatus kann dies klären und sollte vom Arzt/Ärztin sicherheitshalber immer durchgeführt werden. CFS sollte keinesfalls als Ersatzdiagnose für Burnout herangezogen werden, da andere Behandlungsformen dafür nötig sind.