Schutzfaktoren

Es gibt Schutzfaktoren, die vor Erschöpfung bewahren können. Das Problem kann vom Einzelnen, aus Sicht des Umfeldes oder aus gesellschaftlicher Sicht betrachtet werden - der Ausstieg aus einem Burnout wird auf mehreren Ebenen stattfinden.

Nebenbei, es gibt nicht "das/den Burnout" - sondern immer Abstufungen davon, weil Erschöpfung ein Vorgang ist. Über die Beachtung der Schutzfaktoren können Stufen geringerer Beeinträchtigung "zurückgewonnen" werden.

Körperlich betrachtet gibt es ja auch nicht "die Entzündung", ... immer hängt es von Ihren Voraussetzungen, von Zeitpunkt, Körperbereich und Art der Einwirkung /Störung ab, wie eine Entzündung aussieht, wie sie verläuft und wie sich das anfühlt bzw. wie die Behandlung erfolgt.

Wie auch die Gesellschaft, also wir als Gruppe und System zu einem Burnout Schutzfaktor werden können, dazu finden Sie mehr unter 3.

 

1. Burnout Schutzfaktoren aus der Sicht der Einzelperson

Selbstschutz

  • Erforderliche Distanz/Nähe zur Klientel (ihren KundInnen) bewahren

  • Gelungenes Zeitmanagement, Fallen für sich erkennen - Arbeit und Freizeit in Balance bringen

  • Humor in der Arbeit, mit den TeamkollegInnen wie auch mit der Klientel

  • Körperlicher Ausgleich, Bewegung, Spannung/Entspannung

  • Mehrere „Sinnquellen“ für sich bewahren (Kultur, Kunst, Sport, private Hobbies, etc.)

  • eigene (hohe) Ansprüche kritisch hinterfragen . Ist das was ich anstrebe auch irgendwann realisierbar? (eine "Realitätsprobe" machen)

  • Es schützt sich, wer das Interesse an der eigenen Person bewahrt und Selbstfürsorglichkeit pflegt. Wer sich beachtet und achtsam mit sich ist, wer sich Zeit für einen Dialog mit sich nimmt, wer anstehende Fragen offensiv angeht - schützt sich.

  • Es schützt sich, wer seine seelische Entwicklung eigeninitiativ fördert, sich Impulse dazu holt, Beratung und ggf. auch Psychotherapie.

  • Wer das Abenteuer wagt, die eigene Begrenztheit wahrzunehmen und an ihr zu arbeiten, schützt sich.

 

 

2. Burnout Schutzfaktoren aus betrieblicher & organisatorischer Sicht

Schutz durch den Arbeitgeber

  • Tragbare Arbeitsbelastung (statt Überforderung) mit Ausgleichsmöglichkeiten

  • Mitbestimmungsmöglichkeit , Kontrolle über Vorgänge im Betrieb

  • Aussichten auf bessere Entlohnung, Prämien, Anerkennung, Wertschätzung

  • Respekt, Fairness und Gerechtigkeit Teamgeist, wir-Gefühl

  • Sinnvoll empfundene /empfindbare Arbeit schaffen

  • ..., dass MitarbeiterInnen die eigene Wirksamkeit erfahren, konstruktive Auswertung der Leistung, Transparenz

  • Gründung sogenannter health car centers, in denen MitarbeiterInnen beraten werden. Modelle, in denen Auszeiten eingerichtet werden können.

  • Es schützt sich, wer Pflicht und Erholung gut auf einander abstimmt und im Arbeitsbereich wehrhaft und klug handelt bzw. die Regieführung behält.

 

 

3. Burnout Schutzfaktoren aus gesellschaftlicher Sicht

Was kann die Gesellschaft für Erschöpfte tun?

Die Gesellschaft sind wir selbst, der/die Einzelne haben individuelle Wertmaßstäbe - in der Begegnung werden diese gezeigt, gelebt, ausgeführt und bewirken so Änderungen am System.

  • statt Wachstum um jeden Preis >>maßvolles Entwickeln, überschaubare handhabbare Größe und Technik

  • statt Entsolidarisierung >> empathisches soziales Handeln, Verantwortung für Mitmenschen

  • statt zunehmender Beschleunigung >> Innehalten, Kräfte bewahren

  • statt einseitiger materiell ausgerichteter Wertmaßstäbe >> Ideelles entwickeln, entdecken, vermitteln

  • statt Ausgrenzung >> Integration, gegenseitiges Lernen, Vernetzung

  • statt Machtmißbrauch >> demokratisches und gendersensibles Handeln, Transparenz, Mitsprache, friedliche Koexistenz

  • statt Überschuß /Überproduktion/ Vergeudung >> Ökonomie, Nachhaltigkeit

  • statt "Alles-immer-billig - für den reichen Teil der Welt" >> Qualität für alle bewahren (Waren, Arbeitskraft, Ressourcen, Ökosystem)

  • Es schützen uns die Solidarität, die Achtsamkeit und vor allem das Miteinander.