/*website gegruendet im Dezember 2009*/

Editorial

 

Erschöpfung ist nicht für TherapeutInnen erfunden worden, um Menschen per Diagnose ins "kranke Eck" zu stellen. Ich traue Menschen durchaus zu (und ermuntere sehr oft dazu), die Herausforderungen im Leben anzugehen. Aber jeder/jede kann sich dabei so verstricken, dass nichts weiter geht und der Zustand mühsam bleibt.

Oft fehlt auch das Wissen. Manche Menschen sind unsicher, ihren eigenen Gefühlen zu trauen. Zu oft haben sie sich einreden lassen, dass sie sich nur zusammenreissen sollten oder dass sie sich etwas nur einbilden.

In jedem Fall gilt: Wenn Erschöpfung zu lange andauert ist Hilfe geboten. Mit und ohne Diagnose.

Erschöpfung hat immer einen individuellen Anteil, an dem Sie arbeiten können und sollen. Wie sind Sie aufgewachsen (wovon braucht es noch Ablösung), was bringen Sie im Umgang mit Belastungen mit (oder eben nicht). Wie funktionieren Ihre Frühwarnsysteme und was motiviert Sie im Leben?

Wie nehmen Sie sich wahr und wie achten Sie auf Ihre Entwicklung? Wo sind verborgene Verletzungen? Wo sind Sie mit Ihren Strategien in der Entwicklung stehen geblieben oder auf Grenzen gestoßen? Themen einer Psychotherapie und Chancen auf Änderung - aber ACHTUNG: Arbeit!

Erschöpfung soll aber auch als Problem unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungsvorgänge gesehen werden. Nicht einzelne Betroffene belasten als Kostenfaktoren die öffentlichen Budgets, sondern die Art zu wirtschaften und Gesellschaft zu gestalten bewirken, dass immer mehr Menschen aus gesundheitlichen Gründen zum Ausstieg gezwungen sind. Schwer zu ändern, aber wichtig zu wissen.

Profitstreben, "speed-kills-Mentalität", ständiges Umstrukturieren und rücksichtslose Optimierung etc. haben einen breitenwirksamen Preis. Es drängt sich der Vergleich zum Konflikt zwischen Umweltschutz und Wirtschaft auf. Umweltschutz hat sich bekanntlich dort durchgesetzt, wo die Folgen der Rücksichtslosigkeit noch teurer wären. Wünschenswert wäre hier, dass sich der "Menschenschutz" auch mehr durchsetzt. Unter Schutzfaktoren wird auf diesen Aspekt mehr eingegangen.

Das Vorurteil, dass sich hinter Burnout angeblich die "Faulenzer" verstecken würden, um sich leichter in die Pension zu schwindeln möchte ich kritisch sehen. In der psychotherapeutischen Praxis finden sich ohne Ausnahme Personen, die ihre Arbeitsfähigkeit zutiefst vermissen und viel dafür einsetzen, wieder gesund zu werden. Arbeitsfähigkeit hat mit Wirkfähigkeit / Wirkmächtigkeit zu tun und ist ein menschliches Grundbedürfnis. Erkrankte suchen durch regelmäßigen Therapiebesuch auf eigene Kosten unermüdlich nach neuen Zugängen und arbeiten beharrlich an ihren Lebensthemen. Sie empfinden massiven Leidensdruck und sind keine Opfer einer Mode.

Die Diskussion, ob BO eine Verlegenheitsdiagnose (?) für eine eigentliche Depression ist, finde ich nicht sehr hilfreich für die Betroffenen. WEIL: Auch andere Erkrankungen (weit verbreitete körperliche) zeigen kein einheitliches Bild und werden dennoch behandelt, beforscht und akzeptiert. Ganz selbstverständlich wird bei vielen körperlichen Erkrankungen über Prävention nachgedacht und kostspielige Technik kommt zum Einsatz.

Warum also nicht auch bei der psychischen Erschöpfung?

Martin Geiger, MSc

 

 

Wunsch

Über seelische Probleme offen zu reden ist wichtig - da ist noch vieles aufzuholen. Wenn die Burnoutthematik etwas dazu beigetragen hat umso besser!

 

 

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